Zunderschwamm – Fomes fomentarius

Zunderschwamm Fomes fomentarius

Systematik, Merkmale und Ökologie

 
Reich: Fungi (Pilze)
Abteilung: Basidiomycota (Ständerpilze)
Klasse: Agaricomycetes
Ordnung: Polyporales (Stielporlingsartige)
Familie: Polyporaceae (Stielporlingsverwandte)
Gattung: Fomes
Art: Fomes fomentarius (L.) Fr. (Zunderschwamm)

 
Quelle: MycoBank

 

Accordeon öffnenAussehen und Verbreitung

Der Zunderschwamm (Fomes fomentarius) ist eine hufförmige mehrjährige Pilzart der Ordnung der Polyporales, zu der viele wichtige holzzerstörende Pilze zählen. Fomes fomentarius wächst saprotroph oder fakultativ parasitisch an geschwächten/abgestorbenen Laubbäumen und ernährt sich hauptsächlich von braun gefärbtem Lignin. Damit lässt Fomes fomentarius die weiß gefärbte Cellulose zurück und erzeugt die sogenannte Weißfäule des Holzes (Müller & Löffler 1992). Die von dem Pilz „ausgesaugten“ Stämme aus nunmehr hellem und weichem, leicht feuchtem Holz dienen als Lebensraum und Nahrungsmittel für viele Tiere.

Zunderschwamm Nahansicht OberflächenstrukturDie Fruchtkörper des Pilzes besitzen auf ihrer Oberfläche eine hellbraune bis schwarze fein zonierte harte Kruste, die sich mit Kaliumhydroxid durch den Farbstoff Fomentariol blutrot verfärbt (Arpin et al. 1974). Die Unterseite des Zunderschwammes besteht aus einer glatten grau- bis ockerbraunen Porenschicht. Zwischen der Porenschicht und der Kruste befinden sich die Tramaschicht und das weiche Pilzgeflecht des Myzelialkerns.

Die Fruchtkörper werden bis zu 30 Jahre alt und können Ausmaße von 30 Zentimetern in der Höhe erreichen.

Am wohlsten fühlt sich der Zunderschwamm in Buchenwäldern. Der Pilz wächst aber auch auf anderen Laubbaumsorten, wie Birken, Eschen und Eichen. Er ist in Asien, Nordamerika und Europa verbreitet.

Achtung Verwechslungsgefahr! Der Zunderschwamm sieht manch anderen Pilzen, wie zum Beispiel einigen Ganoderma-, Phellinus- und Fomitopsis-Arten, ähnlich und wird ohne entsprechende Erfahrung leicht mit diesen verwechselt.

 

Accordeon öffnenVerwendung

Zunder

Heute ist der Zunderschwamm weitgehend in Vergessenheit geraten, lange Zeit aber war er ein wichtiges und hochgehandeltes Gut. Die Fruchtkörper des Fomes fomentarius wurden aufgrund ihrer Fähigkeit, lange zu glimmen, schon seit Urzeiten zum Feuermachen verwendet. Auch die weltbekannte Gletschermumie „Ötzi“ (nach seinem Fundort im Ötztal) hatte Fomes fomentarius bei sich. Der Pilz konnte sogar nach 5300 Jahren mittels moderner Methoden durch Vergleich mit authentischen Proben identifiziert werden (Pöder et al 1992, www.iceman.it).

In Deutschland war der Berufsstand des Zundermachers weit verbreitet. Bis ins 19. Jahrhundert gab es große Zunder-Manufakturen. Durch die Erfindung der Streichhölzer verlor der Pilz dann allerdings an Bedeutung und die „Zundermacher Zunft“ starb langsam aus.

Hut aus Zunderschwamm

Dekorative Verwendung

Zunderschwamm lässt sich ebenfalls zu lederartigem Material mit samtähnlicher Oberflächenbeschaffenheit verarbeiten, das zur Herstellung von beispielsweise Kleidung, Taschen, Mützen und Bucheinbänden eingesetzt wurde. Das Fruchtfleisch mit seiner zähen Konsistenz eignete sich ebenso als Korkersatz.
 

Eigenschaften und Wirkmechanismen

Frühe wurde Fomes fomentarius erfolgreich in der Volksmedizin eingesetzt. Ihm wurden schmerzlindernde und entzündungshemmende Eigenschaften zugeschrieben, beispielsweise blutstillend zu sein. So wurde er früher zu Wundauflagen, sogenannten „Zunderlappen“ verarbeitet. Die nordamerikanischen Ureinwohner verwendeten den Pilz sogar als Mittel gegen Rheumatismus, indem sie ihn auf betroffene Körperstellen auflegten. In alten Quellen ist auch die Rede davon, dass aus dem Pilz eine mit Alkohol angereicherte Essenz gewonnen wurde, die zur Schmerzlinderung bei Blasenleiden, Regelblutungen und Hämorrhoiden verabreicht wurde.

 

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